"Hat mein Glaube im Berufsalltag überhaupt Platz?", fragte sich der Herzspezialist Prof. Dr. med. Henning Steen. Daraus ist ein revolutionäres Konzept für Vortragsabende zwischen Medizin und Bibel entstanden. In der Praxis wirkt es allerdings etwas anders als geplant…
"Wenn ich als Arzt und Unternehmer nicht im Kirchenvorstand bin, habe ich eigentlich keinen Platz im Reich Gottes."
Vor etwa zwei Jahren fragte Henning mich, ob es für ihn als Arzt ausserhalb der bekannten Ehrenämter in der Leitung von Kirchengemeinden einen Platz gebe, an dem er seinen Glauben praktisch und mit Mehrwert für andere leben könne.
Diese Frage schockierte mich als Theologen und Missionar: Was tun wir in den Kirchen? Wir predigen und leben an den Menschen vorbei. Der Glaube wird zu einem Parallelleben und schiesst damit am Ziel vorbei. Wir verfehlen den Herzschlag Gottes.
Unsere Vision, dass Menschen durch einen Herz Check-up ihr eigenes Herz verstehen und Gottes Herz entdecken, entwickelte sich anders als erwartet.
Das Herz: Mittelpunkt multimedialer Abende
Gemeinsam mit einem befreundeten Filmemacher entwickelten wir einen Kurs mit Kurzfilmen, einem Workbook und ein Konzept für Vortragsabende zum Thema Herz. Medizinisch fundiert und theologisch begleitet, motiviert durch den Bibelvers aus Psalm 4, 23: "Mehr als alles hüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus."
Von der Faszination des organischen Herzens zum Herzen Gottes – ein Selbstläufer, wie es uns schien.
Von der Kirche bis in Konzerne hinein
So starten wir in der katholischen Kirche. Die Herzabende finden an den verschiedensten Orten statt. Von Kirchen, einem Museum, über Privaträume bis hin zu grossen Unternehmen. An jedem dieser Abende erleben wir: Das Herz fasziniert jeden, ausnahmslos. Ein Kardiologe weiss, wovon er spricht. Der Erfolg, dass Menschen sich darüber hinaus damit auseinandersetzen und mit dem Kurs arbeiten, bleibt jedoch aus.
"Diese Entdeckungsreise wird dich verändern", so beschreiben wir den Kurs und sollten bald merken: Das betrifft uns selbst.
Seit Jahren leidet eine Person an einer Herzerkrankung und trägt als Folge dessen ein künstliches Herz in einer Tasche um die Schulter gehängt. An einem Herzabend begreift sie: "Dass ich lebe, ist ein Geschenk Gottes und das gibt mir Hoffnung. Ich bewege mich in Foren mit vielen Menschen, die herausgefordert sind. Ich kann Hoffnung weitergeben, egal, wie meine Situation aussieht, denn Gott selbst ist die Hoffnung."
Dieses Feedback lässt uns verstehen, Gott allein berührt das Herz, nicht wir mit unserem Konzept. Gott berührt zuerst unser eigenes Herz mit seiner Liebe und zeigt uns: Sein Plan ist noch faszinierender als alles, was die Wissenschaft bisher entdeckt hat.
Kurse mit Vision
Glaube ist für uns eine logische Folge wissenschaftlicher Erkenntnis. Ganz natürlich, mitten im Leben. Nicht parallel dazu. Da wo ich bereit bin, mein Herz von Gottes Herzschlag berühren zu lassen, fängt der Glaube an zu leben. Ich begreife, meine Leidenschaft und meine Begabungen sind von Gott gegeben. Ich darf entdecken: Gott lädt mich ein, mich gebrauchen zu lassen, um seine Liebe sichtbar zu machen. Unabhängig davon, in welcher Situation ich bin. Ich muss und kann Gott nicht beweisen. Weder als Theologe, noch als Wissenschaftler und Arzt.
Die Herzabende gehen weiter, aber mit grösserer Vision. Diese zu multiplizieren und tausende Menschen zu sehen, die verändert wurden, weil sie den Bibelvers aus Sprüche 17,22 verinnerlicht haben: "Ein fröhliches Herz ist die beste Medizin; ein verzweifelter Geist aber schwächt die Kraft des Menschen."
Eddy Luft ist Theologe und Leiter von Novo Deutschland e.V.
Prof. Dr. med. Henning Steen ist Spezialist für Herzbildgebung an der Universität Heidelberg.