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Ora et Labora - jetzt erst recht

Geschrieben von Daniela Farinato | 204. Jul 2026

Wenn das Selbstverständliche wegfällt 

Vor Kurzem hat mich eine Geschichte tief berührt. Ein Vater erzählte vom Verlust seines Kindes. Seine Worte haben mich bewegt und mich erneut über die Zerbrechlichkeit unseres Lebens nachdenken lassen. 

Also was geschieht, wenn das Bodenständige, das Vertraute und scheinbar Sichere plötzlich wegfällt? 

Seit meinem 19. Lebensjahr lebe ich mit chronischen Erkrankungen. In einem sozialen Umfeld, in dem Unabhängigkeit, Leistungsfähigkeit und Erfolg oft als Massstab gelten, konnten gesundheitliche Einschränkungen damals schnell zum Karriere-Killer werden. 

Und heute, mit 50+? 

Zu den gesundheitlichen Herausforderungen kamen die Jahre als alleinerziehende Mutter hinzu. Die sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen waren einschneidend. Trotz unseres oft gelobten sozialen Netzes in der Schweiz habe ich erfahren, wie gravierend einzelne Lücken im System sein können. Selbst ein eng geknüpftes Netz kann dort, wo es reisst, existenzielle Folgen haben. 

Was aber bedeuten Karriere, Kompetenz und Erfolg wirklich?  Welche Definitionen tragen, wenn vieles von dem, worauf wir gebaut haben, nicht mehr selbstverständlich ist? 

Mein Weg mit Gott hat mich immer wieder neu gelehrt, worum es im Leben tatsächlich geht. Dass auch mit Einschränkungen ein erfülltes Leben möglich ist. Vielleicht sogar ein Leben, das sich stärker auf das Wesentliche konzentriert. „Reduced to the max.“ Ich denke dabei an die Gewinnung ätherischer Öle. Da ist die natürliche Schönheit einer Blume, doch darauf folgt ein oft unsichtbarer Prozess. Am Ende bleibt die Essenz – ein kostbarer Duft. 

Nicht Quantität. 
Nicht Effizienz. 
Sondern Essenz. 

Auch wenn sich die Umstände – privat wie beruflich – immer wieder verändert haben, durfte ich erleben, wie Berufung bestehen bleibt. In der Ruhe und Stille, in der engen Beziehung zu Gott, wurde der rote Faden immer wieder sichtbar. Nicht geradlinig, nicht perfekt, aber tragfähig. Mit Höhen und Tiefen, mit Fortschritten und Rückschritten. Der Wert eines Menschen wird in Gottes Augen nicht an Leistung gemessen. Er wird durch ihn selbst bestimmt. 

Arche oder Titanic? 
 
Menschlich betrachtet war die Titanic ein Meisterwerk: beeindruckend, modern und scheinbar sicher. Die Arche dagegen wirkte alles andere als perfekt. Viele hielten ihren Bau wohl für unnötig oder sogar absurd. Und doch vertraue ich lieber Gottes Plan als dem menschlichen. 

Auch wenn sein Weg manchmal nicht dem entspricht, was Menschen als vernünftig, effizient oder erfolgversprechend ansehen. In seiner Führung darf ich meiner Berufung weiter folgen, Schritt für Schritt, immer „work in progress“. Vielleicht sind wir nicht dazu berufen, gross und beeindruckend zu sein. Vielleicht dürfen wir im Unscheinbaren Licht und Salz sein. Oder der feine Duft einer kostbaren Essenz, die ihre Wirkung entfaltet – unabhängig davon, ob im Hintergrund oder in erster Linie. 

Erlebst du Ähnliches? Vielleicht persönlich, gesundheitlich oder in deinem beruflichen Umfeld? Dann möchte ich dich ermutigen: Geh diesen Weg nicht allein: Gemeinschaft, Austausch und gegenseitige Ermutigung können gerade in herausfordernden Zeiten zu einer grossen Kraftquelle für dich und dein Umfeld werden. 

Ora et Labora – bete und arbeite. Jetzt erst recht! 

Daniela Farinato unterstützt und vertritt Labora im Tessin.