Workplace Spirituality ist immer auch betriebliche Gesundheitsförderung. Das führt eine langjährige Studie unter italienischen Nonnen eindrücklich vor Augen – schreibt Dr. med. René Hefti, Leiter des Forschungsinstitutes für Spiritualität und Gesundheit FISG.
Ein Blick in die Wissenschaft: Ein italienischer Forscher untersuchte in den 1980er-Jahren benediktinische Nonnen in der Region Assisi (Umbrien). Er beobachtete die Nonnen über 30 Jahre und verglich sie mit gleichaltrigen Frauen ausserhalb des Klosters.
Nonnen und "Lay Women" hatten den gleichen Body Mass Index (BMI), gleiche Blutdruckwerte und Blutfette. Alles waren Nichtraucherinnen mit einem vergleichbaren Risikofaktorenprofil für Herzkreislauferkrankung. Das Ergebnis ist eindrücklich (siehe Abbildung): Die Nonnen hatte deutlich weniger Herztod (Fatal events) und damit ein signifikant besseres Überleben*.
Wie lässt sich der Unterschied erklären? Was machte die Nonnen so gesund?
Da die Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen gleich waren, kann das bessere Überleben der Nonnen nicht durch medizinische Faktoren im engeren Sinne erklärt werden. Hier kommt die Zauberformel "Ora et Labora" ins Spiel.
Gearbeitet haben die Frauen ausserhalb des Klosters auch. Aber nicht unbedingt gebetet. So liegt das Geheimnis beim "Ora", beim Beten. Gebet meint hier: die Arbeit regelmässig vor Gott bringen und Gott in die Arbeit mit hinein nehmen, also diese geheimnisvolle Verbindung von Gebet und Arbeit.
Fazit: "Ora et Labora" schafft nicht nur ein besseres Arbeitsklima, einen versöhnlicheren Umgang miteinander, sondern stärkt die Gesundheit der Mitarbeitenden.
Workplace Spirituality ist also immer auch betriebliche Gesundheitsförderung!
*Quelle: Timio, M. et al. (1997). Blood Pressure Trend and Cardiovascular Events in Nuns in a Secluded Order: A 30-Year Follow-up Study. Blood Pressure, 6(2), 81–87.
Dr. med. René Hefti ist Facharzt für Innere Medizin und Herzkreislauferkrankungen, Leiter des Forschungsinstitutes für Spiritualität und Gesundheit FISG und Dozent für psychosoziale Medizin und Spiritual Care an der Universität Basel.