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Die Kunst des Jüngermachens

Geschrieben von Johannes Sieber | 29. Jan 2026

Jüngerschaft – plötzlich ist das Wort wieder in aller Munde. Schnell könnte man meinen, es handle sich nur um den nächsten Trend. Doch Jüngerschaft ist kein Modewort, sondern der Herzschlag des Evangeliums. Jesus hat uns nicht beauftragt, Gläubige zu erzeugen, sondern Jünger zu machen.

Glaube kann ein Moment sein, Jüngerschaft ist ein Weg. Ein Prozess der inneren und äusseren Verwandlung, der unser Denken, unser Handeln und unseren Charakter umfasst und zur Multiplikation führt.  

Trotzdem ist diese Kunst des Jüngermachens vielerorts verloren gegangen. Vielleicht gerade deshalb ruft Jesus uns heute auf, sie wiederzuentdecken – und wieder zu leben. 

Zum Wort "Jünger"

Der Begriff "Jünger" erscheint 269-mal im Neuen Testament, während im Vergleich dazu "Christ" nur dreimal und "Gläubiger" lediglich zweimal vorkommt. Das griechische Wort "mathētēs" bedeutet Lernender, Schüler, Nachfolger. 

Jüngerschaft – oder Nachfolge – meint deshalb weit mehr als ein Kurs oder ein Programm. Sie beschreibt eine bewusste Entscheidung, das eigene Leben so auszurichten, dass man den Lebensstil und die Denkweise seines Meisters übernimmt. Für Christen bedeutet das: Mit Jesus zusammen sein, Jesus ähnlich werden und zu handeln, wie er gehandelt hat.  

Jesus selbst folgen

Jesus ruft jeden Menschen persönlich in die Nachfolge. Dietrich Bonhoeffer bringt es prägnant auf den Punkt: "Die Antwort des Jüngers ist nicht ein gesprochenes Bekenntnis, sondern das gehorsame Tun." (Bonhoeffer, Dietrich 2008. Nachfolge. 3. Aufl. Gütersloh: Gütersloher. S. 45)  

Jüngerschaft umfasst zwei Dimensionen: 

  1. Charakter – Jesus ähnlicher werden: wachsen in Liebe, Barmherzigkeit und Heiligkeit.
  2. Kompetenz – tun, was Jesus tat: heilen, befreien, Hoffnung bringen und andere zu Jüngern machen.

Mike Breen sagt dazu: "Jüngerschaft ist der Prozess, in dem du zu dem Menschen wirst, der Jesus wäre, wenn er in deiner Haut steckte." (Breen, Mike 2014. Missionale Leiter multiplizieren. Zürich: 3DM. S. 11)  

In der Schweiz haben wir das hervorragende System der Berufslehre. Viele von uns haben so eine Berufslehre gemacht und eben gelernt, so zu denken und zu handeln wie unsere Lehrmeister. John Mark Comer betont darum: "Jünger zu sein, bedeutet, Lehrling zu sein."  (Comer, John Mark 2024. Leben vom Meister Lernen. 3. Aufl. Holzgerlingen: SCM. S. 28)

Unser Auftrag: Jünger machen

In Matthäus 28, 18–20 findet sich der sogenannte Missionsbefehl. Interessant ist hier die Grammatik: Das zentrale Verb lautet "zu Jüngern machen" – und es steht im Imperativ. Die anderen Verben ("gehen", "taufen", "lehren") sind erklärende Partizipien. Jesus sagt also: 

"Macht Menschen zu meinen Jüngern, indem ihr geht, sie tauft und sie lehrt." 

Dabei bedeutet "lehren" im biblischen Sinn nicht bloss Information vermitteln, sondern jemanden so anzuleiten, dass er das Gelernte praktisch umsetzen kann. Der Schwerpunkt liegt auf Gehorsam, nicht auf Wissen.  

In der Terminologie der Berufslehre möchte ich dich fragen: Welche Personen nimmst du zu dir in die Lehre? Wen bildest du aus? Wie kannst du am Arbeitsplatz Jünger machen? 

Die verlorene Kunst des Jüngermachens

Viele Christen wissen viel über Jesus und Jüngerschaft wurde oft auf Programme, Veranstaltungen oder Inhalte reduziert. Aber Jesus zeigte ein anderes Modell: 

Jünger machen Jünger.  

Die Kunst des Jüngermachens besteht nicht in der richtigen Anwendung von Methoden und Strategien, sondern darin, dass jeder Nachfolger Jesu Menschen für Jesus gewinnt, sie festigt und befähigt, dasselbe wieder zu tun. Jüngerschaft ist darum immer multiplikativ zu verstehen.  

Unsere Firmen, unsere Gemeinden und unser Land brauchen dringend geistliche Väter und Mütter, die andere begleiten, fördern und freisetzen. 

Das einfache - oft übersehene - Geheimnis Jesu

Im Folgenden verrate ich dir meinen Geheimtipp, wie man am besten Jünger macht. Markus 3, 14–15 fasst das Prinzip Jesu zusammen: Er berief einige, er war mit ihnen, und er sandte sie schliesslich aus, damit sie dasselbe taten wie er. 

Mit anderen Worten: 

  1. Wähle wenige.
  2. Verbringe viel Zeit mit ihnen.
  3. Leb ihnen die Mission vor.
  4. Sende sie wieder aus, damit sie andere lehren können.

Das ist Jüngerschaft. Und das ist unser Auftrag. 

Mach den Anfang 

Die Welt verändert sich, aber Jesu Auftrag bleibt derselbe. Jüngerschaft ist keine Option, sondern der Herzschlag des Evangeliums. Wer anderen hilft, Jesus nachzufolgen, wird selbst verändert – und wird zum geistlichen Vater oder zur geistlichen Mutter für die nächste Generation. So entdecken wir die Kunst des Jüngermachens wieder neu.  

Wie beginnst du dies an deinem Arbeitsplatz zu leben?  

Was ist dein nächster Schritt?

 

Johannes Sieber hilft dir gerne dabei, die Kunst des Jüngermachens umzusetzen. Schreibe ihm, wenn du Fragen hast. https://www.johannessieber.online/